Wirtschaftswachstum: Wie kann Deutschland da besser werden?

Wirtschaftswachstum: Wie kann Deutschland da besser werden?

Deutschland steckt in einer zähen Wirtschaftskrise fest. Ob wir bald wieder ein nennenswertes Wachstum schaffen können, haben wir aber auch selbst in der Hand! aktiv checkt sieben wichtige Standortfaktoren.

Wir alle erleben gerade einen traurigen Rekord: die längste Wirtschaftskrise in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland. Seit Jahren geht es nicht mehr richtig aufwärts, das Bruttoinlandsprodukt (BIP) 2025 lag nur auf dem Niveau des Jahres 2019. Zuerst im Corona-Jahr 2020, dann aber auch 2023 und 2024 war das deutsche BIP sogar geschrumpft. Und für das neue Jahr 2026 rechnen Ökonomen im Schnitt mit einem Plus von gerade mal 1,1 Prozent.

Besonders heftig spüren die Menschen in der Industrie die Krise: Monat für Monat gehen dort etwa 10.000 gut bezahlte Arbeitsplätze verloren. Immer wieder müssen Werke dichtmachen – nicht nur bei den Autozulieferern oder in der Chemie. „Die Industrieproduktion geht das vierte Jahr in Folge zurück“, hat Peter Leibinger im Herbst festgestellt, Präsident des Industrie-Dachverbands BDI. „Das ist keine konjunkturelle Delle, sondern ein struktureller Abstieg.“

Trumps Willkür-Zölle und Chinas Billig-Konkurrenz machen der exportorientierten Wirtschaft schwer zu schaffen

Für diesen Abstieg gibt es einige gewichtige Gründe in aller Welt. Als er sein langjähriges Ehrenamt als Gesamtmetall-Präsident abgab, spitzte es Stefan Wolf so zu: „Wir haben es uns bequem gemacht im Vertrauen darauf, dass die Russen uns billige Energie verkaufen, die Chinesen unsere Produkte abnehmen und die Amerikaner für unsere Sicherheit sorgen. Aber das funktioniert nicht mehr.“

Aber man darf die Schuld eben nicht nur jenseits der Grenzen suchen! Denn die Politik hat sich ein gutes Jahrzehnt lang zu wenig um dem Wirtschaftsstandort Deutschland gekümmert – davon zeugen zum Beispiel bröselnde Brücken, aber auch immer neue Sozialleistungen, von der Rente mit 63 bis zur Pflegestufe 1. „Neu ist, dass sich Deutschland nicht so leicht aus der aktuellen Krise befreien kann, weil sie zu einem guten Teil hausgemacht ist“, betonte daher BDA-Präsident Rainer Dulger bei seiner Rede auf dem Deutschen Arbeitgebertag im November. Er kritisierte die Bürokratie, die Energiepolitik – und den Sozialstaat, „der schneller wächst als die Wirtschaft“. Sein Fazit: „Deutschland scheint irgendwann falsch abgebogen zu sein.“

Es ist eben auch eine Standortkrise, in der wir stecken. Und gegen die sich also mit eigenen Mitteln etwas tun lässt! Wir brauchen dringend „eine wirtschaftspolitische Wende mit klaren Prioritäten für Wettbewerbsfähigkeit und Wachstum“, mahnte BDI-Präsident Leibinger. „Jeder Monat ohne entschlossene Strukturreformen kostet weitere Arbeitsplätze und Wohlstand.“

Wobei es bekanntlich immer etwas Zeit braucht, bis politische Reformen tatsächlich wirken – daran hat Gesamtmetall-Hauptgeschäftsführer Oliver Zander kürzlich in einem Interview erinnert. „Wir haben 10, 15 Jahre nichts oder das Falsche für die Wettbewerbsfähigkeit getan“, konstatierte Zander. „Da kann man nicht erwarten, dass die neue Bundesregierung das innerhalb von 100 Tagen dreht und wir plötzlich wieder im Wirtschaftsboom aufwachen.“

Die Zahl ist dramatisch: 84 Prozent der Firmen sehen sich durch die mangelhafte Verkehrsinfrastruktur in ihrer Geschäftstätigkeit regelmäßig beeinträchtigt. Das zeigt eine aktuelle Umfrage des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) unter rund 1.100 Unternehmen auf. Marode Straßen, kaputte Brücken und verspätete Züge belasten die Firmen stärker als in allen Auflagen dieser Umfrage zuvor. 2018 klagten „nur“ 67 Prozent und 2013 „nur“ 59 Prozent über dieses Problem.

„Die Verkehrsinfrastruktur ist zum Bremsklotz für die deutsche Wirtschaft geworden“, sagt Studienautor Thomas Puls, Verkehrsexperte im IW. Hauptproblem sind für fast alle Firmen die Straßen. Kein Wunder: Werden Güter und Waren doch vor allem per Lkw durchs Land gekarrt. Die Schiene? „Aktuell leider keine echte Alternative“, sagt Puls. „In unserer Umfrage nannten nun 71 Prozent der Unternehmen den Schienenverkehr als Standortproblem. Dieser Wert ist mehr als dreimal so hoch wie 2013.“