Wer glaubt, dass mit dem Ende des Sommers die Arbeit im Garten getan ist, irrt gewaltig. Tatsächlich legen gerade die Maßnahmen in der kalten Jahreshälfte den Grundstein für den Erfolg der kommenden Saison. Ob es um den spezifischen Rückschnitt von Beerensträuchern oder das generelle Winterfestmachen der Beete geht: Die richtige Vorbereitung ist entscheidend für Ertrag und Bodengesundheit.
Die Kunst des Stachelbeer-Schnitts
Ein Paradebeispiel für die Notwendigkeit regelmäßiger Pflege ist die Stachelbeere. Wer hier auf eine reiche Ernte hofft, darf die Schere nicht scheuen, denn die Früchte bilden sich vornehmlich an den jungen, einjährigen Seitentrieben. Ein regelmäßiger Schnitt stimuliert genau dieses Wachstum. Dabei steht der Gärtner vor der Wahl: Entweder erfolgt das Auslichten direkt nach der Ernte im Sommer oder klassisch im Winter zwischen Februar und März, noch bevor die neuen Knospen austreiben. Wichtig ist lediglich die Konsequenz – man sollte sich für eine der beiden Varianten entscheiden und diese beibehalten.
Aufbauarbeit in den ersten Jahren
Besondere Aufmerksamkeit verlangen frisch gepflanzte Sträucher. In den ersten drei Jahren ist ein sogenannter Erziehungsschnitt unerlässlich, um das Gerüst der Pflanze zu formen. Da die Pflanzung meist im Herbst erfolgt, steht im darauffolgenden Frühjahr der erste Eingriff an: Von den vorhandenen Trieben werden die vier bis sechs stärksten ausgewählt und im oberen Drittel gekappt, der Rest wird komplett entfernt. Diese Prozedur wiederholt man in den zwei Folgejahren, bis der Strauch über etwa acht kräftige Haupttriebe verfügt.
Erhaltungsschnitt für etablierte Pflanzen
Ab dem vierten Jahr ändert sich die Strategie hin zum Erhaltungsschnitt. Hierbei kürzt man das obere Drittel der längsten Triebe ein, um die Bildung fruchttragender Seitentriebe zu fördern. Gleichzeitig muss krankes, quer wachsendes oder am Boden liegendes Holz weichen. Ein ideal geschnittener Strauch präsentiert sich im besten Fall mit einer ausgewogenen Mischung aus jeweils zwei Trieben im Alter von einem bis vier Jahren. Da die Ertragsleistung mit dem Alter abnimmt, sollten Äste, die älter als fünf Jahre sind – erkennbar an ihrer dunklen Färbung und Dicke – bodennah entfernt werden. Selbst völlig verwachsene Exemplare lassen sich oft retten, indem man radikal alles bis auf vier junge Basistriebe entfernt und den Erziehungsschnitt von vorn beginnt.
Strategien für den winterfesten Garten
Doch nicht nur Beerensträucher verlangen Aufmerksamkeit. Sobald die Temperaturen sinken und das Pflanzenwachstum stagniert, geht es an die generelle Bodenvorbereitung. Dies sollte spätestens nach dem ersten harten Frost geschehen, kann aber bereits ab Mitte Herbst in Angriff genommen werden. Ziel ist es nicht nur, Ordnung zu schaffen, sondern Pilzen und Schädlingen die Überwinterungsmöglichkeiten zu nehmen.
Selektives Aufräumen statt Kahlschlag
Viele Hobbygärtner neigen dazu, im Herbst „Tabula rasa“ zu machen, doch Experten raten zu einem differenzierteren Vorgehen. Einjährige Pflanzen, insbesondere Gemüsereste wie Tomaten, Bohnen oder Kürbis sowie einjährige Blumen, sollten restlos entfernt werden, um Schädlingen keinen Unterschlupf zu bieten. Ebenso rigoros muss mit kranken Stauden verfahren werden. Zeigen sich Schimmel, schleimige Blätter oder Schädlingsbefall, gehören diese Pflanzenreste in den Restmüll und keinesfalls auf den Kompost, da sonst im Frühjahr eine Neuinfektion droht.
Lebensräume erhalten
Anders verhält es sich bei gesunden Stauden. Diese werden lediglich bis einige Zentimeter über dem Boden zurückgeschnitten. Bestimmte Arten wie Fetthenne oder Sonnenhut sollten sogar stehen bleiben, da ihre Samenstände Vögeln im Winter als Nahrungsquelle dienen. Auch Laub, Grasschnitt und kleine Zweige sind kein Abfall, sondern wertvolles Material. Lässt man dieses „gute“ organische Material in den Beeten liegen, fungiert es als natürlicher Dünger und bietet überlebenswichtigen Schutz für Bestäuber wie Bienen und Schmetterlinge. Empfindliche Zwiebelgewächse wie Dahlien oder Begonien müssen hingegen ausgegraben und trocken im Haus überwintert werden, um im nächsten Frühjahr wieder für Blütenpracht zu sorgen.